Das Revier der Blau- und Kohlmeisen. Das Kohlmeisenrevier ist größer als einer Blaumeise - In einem Kohlmeisenrevier können mehrere Blaumeisenreviere existieren

Ein Kohlmeisen-Revier ist viel größer als das der Blaumeisen. Erstere beanspruchen etwa 2.500 Quadratmeter, in weniger attraktiven Gebieten kann ein solches Revier auch schon einmal 30.000 Quadratmeter erreichen.

An den Reviergrenzen kann es im Frühjahr zu Grenzstreitigkeiten zwischen den Meisen kommen. Bei anderen Vögeln wie Stare und Feldsperlinge können Nistkästen ziemlich nahe aneinander aufgehängt werden.

Warum Meisen ebenso auch Amseln ein eigenes Revier vor der Familiengründung brauchen, könnte meherere Ursachen haben: Ich glaube die wichtigste ist, das Anrecht auf die Nahrung eines solches Gebietes zu sichern, um das große Gelege, welches Meisen meist haben, aufziehen zu können. Ferner könnte durch das zerstreut leben der Meisen die Bedrohung von Raubtieren, die Jagd auf Eier und Jüngvögel machen, unattraktiv sein.

Konflikte mit Eindringlingen ins Revier

Ein Meisennest zu plündern, ist ja auch durchaus schwierig für Raubtiere, da Meisen sehr enge Höhlen benutzen. Der Abstand der Meisennester kommt auch dem eifersüchtigen Männchen entgegen, da ist es nicht so leicht, dass sich seine Partnerin mit dem Nachbarn paart.

Meisen wollen auch den Nestabstand zu seinen Nachbarn halten, denn sie verteidigen das Revier wenn notwendig mit ihren Krallen und dem Schnabel. Meisen, die lange sich in ihrem Revier behaupten, haben beste Voraussetzungen lange zu überleben.

Weibchen und Männchen können in Kämpfe mit Eindringlingen ins Revier durch das eigene Geschlecht konfrontiert werden. Aber meist sind die Männchen mit der Verteidigung des Reviers beschäftigt.

Drohgebärden beider Konkurrenten

Konflikte werden meist ohne Verletzungen beider Konkurrenten ausgetragen. Die beiden Widersacher zeigen drohende Posen und zwischendurch singen sie. Meist enden solche Drohgebärden, indem einer von beiden aufgibt. Eine Drohgebärde ist dem Widersachen den Schnabel hinzustrecken und die Flügel zu spreizen. Solche Drohungen sind bei beiden Geschlechtern der Kohl- und Blaumeisen zu sehen, auch gegen andere Vogelarten.

Kohlmeisen kennen auch noch eine weitere Drohgebärde: Sie recken ihren Schnabel empor und drücken ihr schwarzes Brustband heraus. Kohlmeisenmännchen haben noch ein anderes Imponiergehabe oder Drohgebärde auf Lager: Sie besteht aus der Kopf-hoch-Stellung und mit fast senkrechten Körper flatternd um den Kontrahenten herumzufliegen und ihm sein schwarzes Brustband zu zeigen.

Diese Drohgebärden lösen Konflikte und sind nicht so anstrengend wie ein Kampf, denn da hätten beide Konkurrenten viel mehr zu verlieren. Mit diesen Drohungen zeigen beide Kontrahenten ihre Kraft und zugleich ihre Motivation. Dies ist ausschlaggebend, ob es sich lohne die Streitigkeiten fortzusetzen.

Meist enden diese Streitigkeiten so, dass der Revierbewohner die Oberhand behält und der Eindringling nachgibt, auch wenn er viel größer und stärker ist. Der Bewohner kennt sein Revier und weil es für ihn viel wertvoller ist, riskiert er auch mehr. Der Eindringling merkt vielleicht auch, dass er nichts ändern kann und deshalb auch zurückhaltender und sich wesentlicher vorsichtiger verhält.

Ein Revier ist für seinen Bewohner besonders wertvoll, wenn er gute Beziehungen zu seinen Nachbarn unterhält. Beim Verteidigen seines Reviers ist der Bewohner gegenüber seinen Nachbarn toleranter als zu Fremden. Denn sie haben ein Revier und ein Eindringling möchte das Revier vielleicht übernehmen.

Die Überlappung von Blau- und Kohlmeisenrevieren

Eine Frage ist interessant und zwar ob sich Kohl- und Blaumeisen akzeptieren und im selben Revier auch brüten? Gegen wen verteidigen Vögel ihr Revier. Nur gegen die eigene Art oder auch gegen andere Vögel? Eindeutig ist es bei Meisen. Sie verteidigen ihr Territorium oder auch Revier nur gegen die eigene Art, aber nicht gegen andere Meisenarten.

Kohl- und Blaumeisenreviere können sich vollständig überlappen. Es gibt größere Kohlmeisenreviere und kleinere der Blaumeisen. Ein Kohlmeisen-Gebiet kann sich über mehrere Blaumeisenreviere erstrecken. Die Grenzen verlaufen dabei kreuz und quer, da beide Vogelarten unabhängig voneinander ihre Reviere geteilt haben.

Da auch Kohlmeisen kein weiteres Kohlmeisenpaar in ihrem Revier dulden, aber Blaumeisen, haben es die Jungen der Kohlmeisen was die Futtersuche betrifft schlechter als die Jungen der Blaumeisen. Ein Grund dafür ist, dass beide Arten das gleiche Futter bevorzugen und ja mehr Blaumeisenreviere das Kohlmeisenrevier unter sich aufteilen.